Klassifikation der Pflegeaufwandsgruppen: RUG-III

 

  

ACHTUNG: In Kürze (ca. ab Mitte Mai 2003) werden auf unseren Seiten detailiertere Informationen zu RUG-III verfügbar sein, die auf einer empirischen Studie zum Vergleich mit Pflegeklassen nach SGB XI (Diplomarbeit) von Christian Grebe basieren.


Ab dem 01.01.2004 werden im Zuge des PQSG Leistungs- und Qualitätsverinbarungen (LQV) eine verpflichtende Grundlage für die Erlangung oder Verlängerung eines Versorgungsvertrags darstellen. Im Rahmen der LQV stellt sich als Aufgabe der Pflegeheime allerdings die Anforderung, sowohl ihre Leistungen als auch deren Qualität darzustellen und nachzuweisen (und daraus resultierend ihren Personalbedarf). Neben den MDS- Qualitätsindikatoren, die sich für den Nachweis der Outcome- Qualität eignen, baut auf dem MDS des RAI ein weiteres Instrument auf, welches es ermöglicht, den Case- Mix einer Institution, den bewohnerbezogenen Ressourcenverbrauch und in der Folge den Personalbedarf zu ermitteln: die RUG-III- Klassifikation.

Bei RUG-III handelt es sich um eine Klassifikation von homogenen Pflegeaufwandsgruppen (Resource Utilization Groups). Seit der Version 3 (RUG-III) stellt das MDS 2.0 die Datenbasis dar, nach der diese Pflegeaufwandsgruppen gebildet werden. Die RUG-III sind also direkt mit dem RAI verbunden und lassen sich mittels EDV sekundenschnell aus den MDS- Daten errechnen.

Die Eingruppierung eines Bewohners in die jeweilige RUG erfolgt in drei Schritten:

1. Eingruppierung in eine der 7 Hauptgruppen. Es existieren eindeutig abgegrenzte Kriterien, die erfüllt sein müssen, um einen Bewohner der entsprechenden Hauptgruppe zuzuordnen.

2. Aufspittung mittels ADL- Index. Dieser Index- Wert repräsentiert den Abhängigkeitsgrad in den MDS- ADLs Toilettenbenutzung, Essen, Transfer und Bewegung im Bett. Er kann Werte zwischen 4 und 18 annehmen. Je nach Höhe des Index- Wertes erfolgt die Eingruppierung in die jeweilige RUG (Ausnahme: die Hauptgruppe "Extended Services" splittet nach einer anderen Systematik auf.

3. Tertiärer Split. Je nach Hauptgruppe wird noch eine dritte (dichotome) Unterteilung vorgenommen. Diese unterscheidet zwischen "Nursing Rehabilitation"/ "no Nursing Rehabilitation" oder zwischen "depressed"/ "not depressed".

RUG-III kennt prinzipiell 44 Aufwandsgruppen. Es existiert jedoch auch ein (für den deutschsprachigen Raum wohl sinnvolleres) 34- Gruppen- Modell. In diesem sind die besonders stark ausgeprägten Rehabilitations- Gruppen nicht vorhanden. Da diese lediglich die Reha- Leistungen von Nicht- Pflege- Professionen (Physiotherapie, Logopädie etc.) berücksichtigen und diese in unseren Breiten normalerweise nicht zum lohnabhängigen Pflegeaufwand eines Pflegeheims zählen (und in Deutschland zudem nicht nach SGB XI vergütet werden), sind diese Gruppen hierzulande nicht notwendig.

In der Schweiz werden in einigen Kantonen mehrere Aufwandsgruppen zusammengefasst. Das Ergebnis ist dann z.B. ein 12- Gruppen- Modell.

Für die Abrechnung gegenüber den Kostenträgern von besonderer Bedeutung ist der sog. Case- Mix- Index (CMI) jeder RUG. Der durchschnitte Pflegeaufwand einer Population erhält den CMI 1.00. Der CMI jeder einzelnen RUG repräsentiert dann den relativen lohngewichteten Pflegeaufwand für diese Gruppe. Ein CMI von 1.8 bedeutet also z.B., dass Bewohner, die dieser Aufwandsgruppe zugeordnet werden, einen 80% höheren Lohngewichteten Pflegeaufwand aufweisen.

In die CMIs fließt dabei nicht nur die direkte Pflegezeit ein, sondern auch indirekte Pflege für Bewohner dieser Gruppe (z.B. Dokumentation) als auch allgemeine, nicht bewohnern zuzuordnete Stationsarbeiten. Ermittelt wird zudem die Qualifikation der Pflegenden, daher die Bezeichnung "lohngewichtet".

Für die BRD existieren z.Zt. noch keine CMIs, zwei entsprechende Studien sind jedoch gerade in Arbeit. In den USA werden in breit angelegten Studien regelmäßig die aktuellen, verbindlichen CMIs ermittelt.

Die RUG- Gruppen können sowohl zur internen Personalbemessung, zur Abrechnung gegenüber den Kostenträgern sowie zum Benchmarking heran gezogen werden.

Weitere Informationen können per Mail angefragt werden: grebe@pro-rai-rug.de

 

Weiterführende Informationen im WWW:

HCFA- Worksheet (44 Gruppen)

Anleitung zur manullen Berechnung der RUGs

HCFA- Worksheet (34 Gruppen)

CMIs im PPS der USA (44 Gruppen, urban)

die jeweiligen Gewichtungen der USA im Prospective Payment System

CMIs im PPS der USA (34 Gruppen, urban)

Die RUG-III- Hierarchie (44 Gruppen)

grafische Darstellung der Klassifikation

Artikel: Description of the RUG-III Classification System

Kurzdarstellung der Klassifikation

Artikel: Was ist RUGs?

deutscher online- Artikel zu RUG-III (Prof. Dr. Vjenka Garms-Homolova)

 

weiterführende Literatur:

Carpenter GI et.Al.: RUG-III and resource allocation: Comparing the relationship of direct care time with patient characteristics in five countries. Age and Ageing 1997;26-S2; 61-65

Fries BE et.Al.: Mental dysfunction and resource use in nursing homes. Medical Care 1993; 31[10]; 898-920

Fries BE et.Al.: refining a Case-Mix measure for nursing homes: resource Utilization Groups (RUG-III). Medical care 1994; 32[7]; 668-685